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BER: mit GU wär das nicht passiert – glaubt die Hertie School of Governance

Es haut mich immer wieder vom Stuhle, wenn ich aus meist unbedarftem Mund den lauten Ruf nach dem ach so  segenbringenden „Generalunternehmer“ höre. Meistens rufen irgendwelche neoliberalen Nachplapperer, die sich aufgrund Ihrer Erfahrung beim Sandburgenbau nun auch mit „Construction Management“ beschäftigen – gerne mit einer Prise „Nachhaltig“ und einem Schuss „Green Technology“.

Das immer wiederkehrende Argument ist ja, dass man dem Generalunternehmer ja dann alle Risiken aufdrücken kann, die man sonst selber ausbaden müsste… wie doof muss man eigentlich sein, um dieses Märchen zu glauben?

Nun hat sich mit der Hertie School of Governance ein neuer Kompetenztitan in die Arena begeben, um die alte Kamelle noch ein bisschen rundzulutschen.

Es gibt aber auch andere Meinungen, z.B. in diesem Fachartikel von Frau Dr. Anke Leinweber, Baurechtsanwältin aus Köln. Sie führt mit gnadenloser Klarheit die drei Hauptargumente gegen GU-Vergaben ins Feld:

  1. Bauen mit dem GU/GÜ muss teurer sein als Einzelvergaben, weil der GU/GÜ sein Risiko einpreisen muss.
  2. Rechtssichere Verträge mit GUs/GÜs benötigen genauso qualifizierte Planungen im Vorfeld wie Einzelvergaben. Nachträgliche Änderungen führen auch bei GUs zu Mehrkosten, weil auf ein mal das Leistungs-Ist vom Vertrags-Soll abweicht.
  3. Mehr Ausführungs-, Kosten- und Terminsicherheit bieten GU-Vergaben auch nicht. Eher im Gegenteil: geht bei Einzelvergaben ein Gewerk pleite, kann der Bau in der Regel mit den Verbliebenen weitergeführt werden. Geht der GU in die Knie (was ja schon vorgekommen sein soll…), hängt das ganze Bauvorhaben im rechtlichen Nirwana.

Fazit? Wir haben in Deutschland eine gut funktionierende Kultur der Einzelvergabe. Kluge Bauherren nutzen dies zu Ihrem Vorteil. Es mag sinnvolle Anwendungen von GU-Vergaben geben, z.B. wenn der Bauherr seine eigenen Stabsfunktionen während der Bauausführung zurückfahren muss oder wenn die Aufgabe klar definierbar, dass Risiko der Subvergaben aber nicht vernünftig wirtschaftlich fassbar ist. In jedem Fall gilt: Risiken delegieren kostet Geld und entledigt den Bauherren nicht von der Erfordernis eigene Fachkompetenz heranzubilden.

Freihändig in den Stillstand

An sich ist die Bauleiterwelt ja voll in Ordnung. Mit der VOB/B (für Nichteingeweihte: „Vertragsordnung für Bauleistungen“) hat man ein über Jahre erprobtes klares Regelwerk an der Hand, mit dem man so ziemlich jedes Problem am Bau schon irgendwie gelöst bekommt. Auch das Problem, leistungsunwillige Firmen an die Kandare zu bekommen oder sie durch leistungswillige zu ersetzen. In §5 und §8 steht alles drin, was man wissen und machen muss, um in wenigen Tagen eine neue Firma am Start zu haben. Was hier nicht steht, ist was passiert, wenn man für Bauherren mit Rechtsabteilungen baut… Weiterlesen

Kata…wo?

Eigentlich reden wir hier übers Bauen, manchmal auch über Architektur. Aber es gibt ja auch noch ein Leben neben dem Beruf ;-). Ein Thema, dass mich jetzt schon seit ein paar Jahren begleitet ist ‚Katalonien‘. Ich erinnere mich noch gut, wie ich so dachte, bevor ich mehr über diesen Landstrich zwischen Frankreich und Spanien erfuhr. Vom „Dialekt“ den man in dieser Gegend der Welt spricht hatte ich schon gehört, ansonsten war Antoni Gaudi ein spanischer Architekt und Barcelona eine ebenso spanische Stadt. In Deutschland sieht man das so.

Dass die Geschichte ein bisschen komplexer ist, wissen leider viel zu wenig Leute. Es würde mich deshalb freuen, wenn ich mit den folgenden Beiträgen ein bisschen dazu beitragen könnte, Eure Wissenslücken zu füllen. Deshalb diese Kategorie, deshalb dieser Blogpost. Ich werde also zusätzlich zu den anderen Themen immer mal wieder ein bisschen Katalonien mit einstreuen. Viel Spass beim Lesen. Diskussionen sind gut, gerade wenn sie kontrovers sind, also redet mit!