Archiv für den Monat: Mai 2015

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Erfolgreiche (Hochbau-)Projekte 1: die realistischen Kosten

In meinem Beitrag „warum gehen große Projekte schief?“ habe ich einen Einblick gegeben, wo die Probleme bei großen Baumaßnahmen entstehen. Nun möchte ich in einer kleiner Artikelreihe beleuchten, was man tun kann, um eben diese Probleme zu vermeiden. Die drei großen Themen waren

  • realistische Baukosten von Anfang an
  • konsequentes Change-Management von Anfang an
  • nicht allein preisorientierte Vergabeentscheidungen (von Anfang an…)

Also fangen wir mit dem Thema Kosten an: Weiterlesen

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BER: mit GU wär das nicht passiert – glaubt die Hertie School of Governance

Es haut mich immer wieder vom Stuhle, wenn ich aus meist unbedarftem Mund den lauten Ruf nach dem ach so  segenbringenden „Generalunternehmer“ höre. Meistens rufen irgendwelche neoliberalen Nachplapperer, die sich aufgrund Ihrer Erfahrung beim Sandburgenbau nun auch mit „Construction Management“ beschäftigen – gerne mit einer Prise „Nachhaltig“ und einem Schuss „Green Technology“.

Das immer wiederkehrende Argument ist ja, dass man dem Generalunternehmer ja dann alle Risiken aufdrücken kann, die man sonst selber ausbaden müsste… wie doof muss man eigentlich sein, um dieses Märchen zu glauben?

Nun hat sich mit der Hertie School of Governance ein neuer Kompetenztitan in die Arena begeben, um die alte Kamelle noch ein bisschen rundzulutschen.

Es gibt aber auch andere Meinungen, z.B. in diesem Fachartikel von Frau Dr. Anke Leinweber, Baurechtsanwältin aus Köln. Sie führt mit gnadenloser Klarheit die drei Hauptargumente gegen GU-Vergaben ins Feld:

  1. Bauen mit dem GU/GÜ muss teurer sein als Einzelvergaben, weil der GU/GÜ sein Risiko einpreisen muss.
  2. Rechtssichere Verträge mit GUs/GÜs benötigen genauso qualifizierte Planungen im Vorfeld wie Einzelvergaben. Nachträgliche Änderungen führen auch bei GUs zu Mehrkosten, weil auf ein mal das Leistungs-Ist vom Vertrags-Soll abweicht.
  3. Mehr Ausführungs-, Kosten- und Terminsicherheit bieten GU-Vergaben auch nicht. Eher im Gegenteil: geht bei Einzelvergaben ein Gewerk pleite, kann der Bau in der Regel mit den Verbliebenen weitergeführt werden. Geht der GU in die Knie (was ja schon vorgekommen sein soll…), hängt das ganze Bauvorhaben im rechtlichen Nirwana.

Fazit? Wir haben in Deutschland eine gut funktionierende Kultur der Einzelvergabe. Kluge Bauherren nutzen dies zu Ihrem Vorteil. Es mag sinnvolle Anwendungen von GU-Vergaben geben, z.B. wenn der Bauherr seine eigenen Stabsfunktionen während der Bauausführung zurückfahren muss oder wenn die Aufgabe klar definierbar, dass Risiko der Subvergaben aber nicht vernünftig wirtschaftlich fassbar ist. In jedem Fall gilt: Risiken delegieren kostet Geld und entledigt den Bauherren nicht von der Erfordernis eigene Fachkompetenz heranzubilden.

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Warum gehen große Projekte bei uns ständig in die Hose?

Am 4.5.2015 fand ein interessantes Fachgespräch auf Einladung der Fraktion der Grünen im deutschen Bundestag zu eben diesem Thema statt. Der Titel war natürlich etwas subtiler gewählt, als meine sicher etwas plakative Schlagzeile, und zwar: „Muss es immer teurer werden? Baukostensteigerungen bei Großbauten des Bundes“.

Es gab vier Vortragende, die das Thema aus unterschiedlicher Perspektive beleuchteten: Weiterlesen