Baudokumentation mit Photos – aber wie?

Mein Bauleitungspapa Martins Ezernieks sagte mal auf die Frage, warum wir denn diese Unmengen Bilder machen, dass wir ja tatsächlich höchstens 5 von 100 Bildern wirklich brauchen – wir wüssten bloss, nicht welche fünf…

Das bringt das Problem schon ganz gut auf den Punkt. In Zeiten digitaler Fotos scheint es ja auch völlig egal, wie viele Fotos man schiesst, da kann ein bisschen mehr ja eigentlich auch nicht schaden oder?

Bei der Durchsicht der Fotoarchive für unsere Projekte ist mir aufgegangen, dass wir beim Fotografieren einen unter Umständen fatalen Fehler machen: wir denken nicht daran, was mit dem Foto, das wir gerade schiessen überhaupt gemacht werden soll und wir denken noch weniger daran welche Fotos wir ZUKÜNFTIG benötigen werden.

Für die Baudoku gibt es folgende Dinge, die ein Photo leisten kann:

1) Es kann einen Mangel dokumentieren, dann ist es immer an einen Vertrag  gebunden.

2) Es kann das Fehlen eines Mangels dokumentieren, dann beschreibt es einen Zustand an einem Ort zu einer bestimmten Zeit. Es kann dann, muss aber nicht an mehrere Verträge gebunden sein. Jedenfalls ist es immer an einen Ort gebunden.

3) Es kann generell einen Zustand dokumentieren. Es kann dann also die Frage beantworten „Was war wann“. Es ist damit an eine Zeit und einen Ort gebunden.

Wofür brauchen wir denn nun die Fotos?

Nun, zuerst mal werden die Fotos im Zusammenhang mit Firmenmängeln benötigt, gehören also in die erste Kategorie. Etwas entspricht nicht dem Vertrag, also wird es fotografiert, das Foto geht an den „Täter“ zusammen mit einer Fristsetzung zur Mängelbeseitigung. Diese Fotos sind also klar an einen Vorgang mit Fristen und klaren Akteuren gebunden. Man braucht sie nur im Moment der Entstehung, danach sind sie eigentlich überflüssig (ausser zur Dokumentation des Vorgangs). Die allermeisten Fotos, die mir in unserer Fotodokumentation begegnen, gehören in diese Kategorie. Sie in einem Ordner „Fotodokumentation“ , vielleicht noch mit Datum abzulegen ist wenig übersichtlich und helfen eigentlich nur dem, der das Foto gemacht hat.

In den allermeisten Fällen, in denen man die Fotos NACH der Bauausführung noch mal ansieht, dreht es sich nicht mehr um diese Mängel – die sind lange beseitigt. Dass, wonach man dann sucht, sind andere Dinge: Belege, dass etwas am Tag X schon so war, dass Firma Y noch arbeitete, das ein bestimmter Gesamtzustand der Baustelle erreicht war. Die Bilder gehören also dann auf ein mal in die Kategorie 2 und 3. Und genau hier liegt das Problem: diese Bilder wurden für einen anderen Zweck gemacht. Und das merkt man Ihnen an.

Ich ziehe daraus den Schluss, dass man seine Bilder nach Zweck differenzieren sollte, und das kann man beispielsweise so erreichen:

– Es werden nach wie vor die normalen „Mängelbeweisbilder“ gemacht. Diese werden aber mit dem jeweiligen Vorgang archiviert.  Zusätzlich werden die Bilder „getaggt“, entweder über den Dateinamen (z.B. „2014-04-01_012-01_H4_OG_li_1.jpg“), oder (besser!) über Schlagwortattribute, z.B. im IPTC-Header, die viele Dateimanager an die Bilder anhängen können.

– Zusätzlich dazu gibt es eine in festen Abständen nach fester „Choreographie“ gemachte Zustandsdoku. Je nach Baustelle kann dies mehr oder weniger häufig passieren, wichtig ist aber die Regelmässigkeit.

Besonders effizient sind Videobegehungen. Hier kommen dann aber auch gewaltige Datenmengen zustande, die gespeichert werden wollen. Zehn Minuten Video belegen komprimiert etwa 200MB. eine wöchentliche Begehung einer üblichen Baustelle, die über – sagen wir mal – 15 Monate geht, hat also einen Bedarf locker 12 GB oder 3 rappelvollen DVDs.

Aber auch Fotodokus sind ausreichend, wenn man für die klare Identifizierbarkeit sorgt, z.B. in dem man einen Zettel mit Ortsangabe ins Bild hält oder Standort und Blickrichtung auf einer mitgeführten Grundrisskopie notiert. Hier reichen unter Umständen schon wenige, aber immer wiederkehrende Standorte, um den Baufortschritt eindrucksvoll zu dokumentieren.

Zugegeben – das kostet Zeit. Ist aber am Ende, wenn man denn vor Gericht (oder erst mal vor dem Anwalt) steht, echt beruhigend…

2 Gedanken zu „Baudokumentation mit Photos – aber wie?

  1. W. Peters

    Insbesondere die letzten Aspekte juristisch und die eindeutige Identifizierung sind entscheidend. Ich hab von einer Story gehört, da hat einer den Prozess verloren, nicht weil er nicht den Mängel des subunternehmers (in einem Treppenhaus) per Foto belegen konnte, sondern weil er nicht nachweisen konnte, dass es sich genau um das Treppenhaus handelt an dem der sub beschäftigt war, da das Bauvorhaben mehrere Treppenhäuser beinhaltete. Keine Doku Prozess verloren, Wirtschaftlichkeit stark reduziert. Vieles was richtigerweise im Artikel verlangt wird kann dank der IT heute mit moderner Software bspw. zur Baudokumentation
    sehr einfach und zeitsparend umgesetzt werden.

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